Dienstag, 23. August 2016

Das Metabolische Syndrom erkennen und behandeln



Geschätzt 15 Millionen Deutsche sind betroffen, trotzdem ist das Krankheitsbild ist in der Allgemeinheit kaum bekannt. Als Metabolisches Syndrom oder auch "tödliches Quartett" bezeichnen Mediziner ein Bündel aus Risikofaktoren: zu viel Bauchfett, hohe Blutzucker- und Blutfett-Werte und Bluthochdruck. Jeder dieser Faktoren steigert schon für sich gesehen das Risiko für Gefäßkrankheiten (Arteriosklerose). Mögliche Folgen sind Schlaganfall und Herzinfarkt. Zudem mündet das Metabolische Syndrom häufig in einen Diabetes Typ 2.

Ursache

Das Metabolische Syndrom ist eine Wohlstandskrankheit, ausgelöst durch zu reichliches Essen und zu wenig Bewegung. Übergewicht mit viel Bauchfett führt meist zu krankhaften Veränderungen im Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. Denn über das wichtige Hormon Insulin hängt die Verstoffwechselung von Fetten und Zuckern eng zusammen. Wenn die Körperzellen unempfindlich (resistent) gegenüber Insulin werden, dann kann der Blutzuckerspiegel nicht mehr richtig sinken. Zugleich steigen die Blutfettwerte - und ebenso der Blutdruck, denn das Insulin bewirkt, dass sich Wasser und Natrium (Kochsalz) in den Nieren ansammeln. Das stört den Flüssigkeitshaushalt im Gefäßsystem.

Auf die Dauer bilden sich Ablagerungen in den Gefäßen, sogenannte Plaques. An solchen Engstellen kann das Blut nicht mehr ungehindert fließen. Extremitäten, schlimmstenfalls auch lebenswichtige Organe wie Herz, Gehirn oder Niere werden nicht mehr ausreichend durchblutet.

Symptome

Hauptsymptom ist eine bauchbetonte Fettleibigkeit (abdominelle Adipositas). Die veränderten Blutwerte verursachen lange Zeit keine Beschwerden. Erst über die Jahre, wenn sich die Gefäße schon erheblich verengt haben, machen sich Folgeerkrankungen bemerkbar - etwa durch Herzrasen oder eine Venen-Schwäche in den Beinen. Aufgrund der Insulinresistenz treten bei einigen Betroffenen auch erste Anzeichen für einen Diabetes auf: etwa ein extremes Durstgefühl und häufige Müdigkeit oder Schlappheit.

Diagnose

Der Arzt misst Gewicht, Taillenumfang und Blutdruck und nimmt Blut ab. Ein Metabolisches Syndrom liegt nach der aktuell von den meisten Experten benutzten Definition vor, wenn mindestens drei dieser Risikofaktoren festgestellt werden:
  • Übergewicht: ein BMI von 25 oder mehr.
  • Krankhafter Taillenumfang: bei Frauen über 88 Zentimeter und bei Männern über 104 Zentimeter.
  • Erhöhter Nüchternblutzucker: Als oberste Grenze gelten 100 mg/dl. Eine Diabetes-Erkrankung kann schon vorliegen, muss aber nicht. Falls der Nüchternblutzucker noch in Ordnung ist, könnte ein Zuckerbelastungstest Hinweise auf eine beginnende Insulinresistenz geben.
  • Erhöhte Triglyceride (Blutfettwerte): im Nüchternzustand mehr als 150 mg/dl, sowie erniedrigtes HDL-Cholesterin: unter 50 mg/dl.
  • Blutdruck: über 130/85 mmHg, ermittelt in mehreren Messungen oder einer Langzeitblutdruckmessung - nicht als Momentaufnahme bei einem einzelnen Arztbesuch.
Wird das Metabolische Syndrom diagnostiziert, dann stehen weitere Untersuchungen an, um Folgeerkrankungen zu ermitteln. Dazu gehören insbesondere ein Herz-Ultraschall (Echokardiografie), EKG und Belastungs-EKG. Ultraschall und Blutuntersuchung (Kreatininwert, Elektrolyte) geben auch Aufschluss über den Zustand der Nieren.

Therapie

Gegen das Metabolische Syndrom helfen zwei Dinge: eine Ernährungsumstellung und regelmäßige körperliche Aktivität.
"Falsches Ernährungsverhalten und Bewegungsmangel führen zu Entzündungen in genau den Gehirnzentren, die für die Steuerung unserer Sättigung verantwortlich sind. Damit entsteht ein gefährlicher Teufelskreis, der das Gewicht festschreibt", erklärt Diabetologe und Ernährungsmediziner Matthias Riedl. "Deshalb muss man so früh wie möglich gegen Übergewicht vorgehen."
Viele Betroffene haben eine erfolglose Diäten-Karriere mit entsprechendem Jo-Jo-Effekt hinter sich und eventuell bereits das Vertrauen verloren, dass sie etwas an ihrem Gewicht ändern können. Doch das ist machbar!
Schokolade, Pudding, Fruchtjoghurts: viel zu viel Fett und Zucker, die dick machen und das Risiko für Herzkrankheiten und Diabetes hochtreiben.
Zentraler Punkt ist: regelmäßig essen - nicht mehr als drei Mahlzeiten am Tag - und dabei Kohlenhydrate sparen, insbesondere die schlechten. Ungünstig sind nicht nur Süßigkeiten, sondern auch einfache Kohlenhydrate aus Nudeln, Reis und Weißbrot, Chips und Fast Food. Solche Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel hochschnellen - und dann rasch wieder abfallen. Besser sind sogenannte komplexe Kohlenhydrate, wie sie in Vollkornprodukten vorliegen. Denn sie werden langsam in den Stoffwechsel eingeschleust. Das beugt Heißhunger-Attacken vor.
Wichtig für eine langanhaltende Sättigung ist außerdem Eiweiß zu jeder Mahlzeit: Milchprodukte, Eier, Fisch oder Fleisch - aber auch Hülsenfrüchte und Nüsse machen lange satt. Nicht zu vergessen: gute Fette - zum Beispiel hochwertig hergestelltes Nussöl, Olivenöl, Leinöl oder Hanföl.
Und noch etwas Entscheidendes: Viel trinken! Und zwar unbedingt zuckerfreie Getränke wie Wasser und Tee. Snacks und Süßigkeiten sollten die Ausnahme bleiben. Wenn es mal gar nicht geht ohne etwas Süßes, dann naschen Sie am besten dunkle Schokolade mit 70 Prozent Kakao-Anteil.
Die zweite Säule der Behandlung ist regelmäßige körperliche Aktivität, um die Gewichtsabnahme zu stabilisieren. 30 Minuten täglich sollten es schon sein, wobei nicht nur „Sport“ zählt. Treppe statt Lift, Fahrrad statt Auto: Bringen Sie Bewegung in den Alltag, und zwar dauerhaft.

Quelle: NDR, Ernährungsdocs

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